Manuel Neuer wird im Sommer den FC Schalke verlassen. Viele sind sich sicher, dass sein zukünftiger Arbeitsplatz das Tor des FC Bayern München ist. Olaf Thon ist einer von ihnen und glaubt, dass der Wechsel an die Isar schon im letzten Sommer feststand.

Olaf Thon: „Schalke wird nicht untergehen“

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Olaf Thon, ist ein Wechsel vom FC Schalke 04 zum FC Bayern München ein großer Schritt?

Olaf Thon: So riesig ist der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften nicht mehr. Beide haben ein tolles Stadion und spielten in dieser Saison international. Die Bayern sind aber im Gegensatz zum FC Schalke immer oben mit dabei. Ein Wechsel zum FC Bayern ist ein Aufstieg.

Sind Sie deshalb 1988 an die Isar gezogen?

Olaf Thon: Ich musste wechseln. Schalke stieg ab und brauchte das Geld. Außerdem wollte ich weiter in der Nationalmannschaft und in der Bundesliga spielen. Da war dieser Schritt notwendig.

Das klingt nicht nach einem Wunsch von Ihnen.

Olaf Thon: Eins ist klar: Wäre Schalke nicht abgestiegen, hätte ich den Verein nie verlassen.

Womit hat man Sie zum FC Bayern geködert?

Olaf Thon: Ich hatte eine gute Perspektive in München. In diese Zeit fielen Deutsche Meisterschaften und der WM-Erfolg aus Rom. Ich konnte mich dort einfach super weiterentwickeln. Durch diese Erfahrungen konnte ich 1997 als Kapitän der Eurofighter den Pokal in die Höhe halten.

Was haben Sie konkret gelernt?

Olaf Thon: In München muss man sich immer wieder einem enormen Konkurrenzkampf aussetzen und um den Stammplatz kämpfen. Das schult.

Wurde Ihnen der Wechsel damals übel genommen?

Olaf Thon: Über meinen Wechsel waren nicht alle erfreut, ähnlich wie bei Manuel Neuer heute.

Im Internet wird Manuel Neuer als Verräter beschimpft.

Olaf Thon: Der Gegenwind wird sich schnell legen. Er hat so viel für Schalke getan. Wir alle müssen stolz darauf sein, ein solches Talent herausgebracht zu haben. Manuel Neuer ist der beste Torwart Deutschlands und vielleicht der ganzen Welt.

Ist sein Wechsel richtig?

Olaf Thon: Für die Weiterentwicklung war er nötig. Ich bin mir aber sicher, dass noch einige Tränen bei Manuel fließen werden. Ein solcher Abschied ist nicht leicht. Er ist ein Zeichen gegen das Bild des herzlosen Profis. Manuel Neuer zeigt, dass Fußballer ein Gewissen haben.

Hätten Sie ihm zu einem Wechsel zum FC Bayern geraten?

Olaf Thon: Das muss ich gar nicht. Ich glaube, dass Uli Hoeneß bereits vor einem Jahr das Talent erkannt hat und dann bereits Nägel mit Köpfen machte. Wie diese Vereinbarung aussah, weiß ich nicht. Ich vermute aber, dass der Deal schon länger stand.

Was bedeutet der Weggang von Manuel Neuer für den FC Schalke 04?

Olaf Thon: Schalke wird nicht untergehen. Er fehlt aber als Identifikationsfigur. Unter Felix Magath gab es schon die Probleme mit den Fans. Ein Mann wie Manuel könnte dort vermitteln und wird eine Lücke hinterlassen, die sich nicht schließen lassen wird.