Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy und Frank Rost sind Geschichte – der Hamburger SV verjüngt sein Team. Wir sprachen mit Otto Addo, Ex-Profi des HSV, Borussia Dortmund, Mainz 05, Hannover 96 und heutiger U19-Trainer der Hanseaten, über den schweren Weg eines Jugendspielers in den Profikader und einen versteckten Trend beim HSV.

Otto Addo im Dress des BVB

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Otto Addo, die HSV-Legende Uwe Seeler sagte, dass der Hamburger SV einen neuen Kurs einschlägt und vermehrt auf junge Spieler setzen wird. Hat man in Hamburg diesen Trend der vergangenen Spielzeit um eine Saison verschlafen?

Otto Addo: Ein solcher Jugendtrend ist immer situativ und meistens aus der Not geboren. Borussia Dortmund konzentrierte sich auf Grund des Geldmangels auf den eigenen Nachwuchs. In dieser Saison war das sehr erfolgreich. Deshalb führen wir auch diese Diskussion.

Was meinen Sie?

Otto Addo: Solche Dinge werden immer so gedreht, wie man es möchte. Hätte der BVB in dieser Saison keinen Erfolg gehabt, wäre gesagt worden, dass die Mannschaft zu jung ist. Beim HSV hieß es in der letzten Spielzeit deshalb: Das Team ist zu alt. Von diesen Kategorien nehme ich Abstand. Es klingt banal, aber für mich gibt es nur gute und schlechte Fußballer.

Der HSV war also in der zurückliegenden Saison einfach zu schlecht?

Otto Addo: Die Mannschaft war einfach nicht erfolgreich. Das Umdenken in Hamburg hat natürlich auch wirtschaftliche Gründe. Und darin liegt eine große Chance für die jungen Spieler des HSV.

Was bedeutet der neue Jugendkurs für Ihre Arbeit als U19-Trainer?

Otto Addo: Meine Arbeit stand schon immer im Fokus. Vereinsintern ist es permanent wichtig junge Talente hervorzubringen. Sie sprechen aber von einem neuen Kurs, der gar nicht neu ist. In Hamburg kommen schon seit längerem junge Spieler zum Einsatz. Sidney Sam ist ein Hamburger. Eric Maxim Choupo-Moting spielte für uns, Tunay Torun ist ebenfalls zu nennen.

Alle wechselten zu anderen Vereinen, weil sie beim HSV nicht zum Zug kamen.

Otto Addo: Muhamed Besic und Heung-Min Son sind Gegenbeispiele. Beide wären eigentlich A-Jugendspieler und gehören nun zum Kader der Profis und waren schon in der vergangenen Spielzeit bei den Profis aktiv. Solche Spieler wird man jetzt des Öfteren auf dem Spielfeld sehen. Ich hoffe nur, dass das Publikum geduldig ist und diesen Talenten Zeit lässt. Der Erfolg kommt nicht so schnell.

Der HSV setzt also schon länger auf die Jugend?

Otto Addo: Es ist zumindest kein völlig neuer Kurs. In der letzten Saison spielten sieben Spieler in der U23, die eigentlich in mein Team gehört hätten. Auch diesen Fakt darf man nicht außer Acht lassen.

Mit Jacopo Sala, Gökhan Töre und Michael Mancienne hat der HSV drei Spieler unter 23 Jahren vom FC Chelsea verpflichtet. Warum waren diese Transfers nötig? Fehlt der Jugendarbeit beim HSV die Qualität?

Otto Addo: Es setzt sich immer die Qualität durch. Warum sich einige Jungs beim HSV nicht durchsetzten, kann ich aber konkret nicht sagen. Vielleicht lag es am Trainer oder den Spielern selbst. Festzuhalten ist nur, dass es für junge Spieler bei einem Verein, wie dem HSV, nicht einfach ist, sich durchzusetzen.

Warum ist es schwierig?

Otto Addo: Hier sind die Erwartungen sehr hoch und damit der Druck. Der ist aber für alle Beteiligten gleich. Entscheidend ist: Der Spieler muss sich durchsetzen. Es ist egal, ob er vom FC Chelsea oder dem eigenen Nachwuchs kommt. Um die Jugend mache ich mir keine Sorgen. Ich bin überzeugt, dass meine Spieler eine Chance bei den Profis haben.