Der FC St. Pauli verliert eine Identifikationsfigur. André Trulsen wechselt als Co-Trainer von Holger Stanislawski zur TSG 1899 Hoffenheim. „Truller“ über die Gründe des Abstiegs, den Gang in die Provinz und warum er keine Angst vor Dietmar Hopp hat.

Andre Trulsen

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André Trulsen, Ihr FC St. Pauli ist abgestiegen. Ein verdienter Gang in die zweite Liga?

André Trulsen: Wenn man nach 34 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz steht, ist das verdient. Es ist aber sehr unglücklich für uns gelaufen. Wir hatten schließlich arge Verletzungssorgen. Das betraf vor allem unsere Hintermannschaft. Zudem hatten wir viele unglückliche Spiele, bei denen wir kurz vor Schluss noch den entscheidenden Gegentreffer bekommen haben.

Gegen Bayern München war es am 33. Spieltag eindeutig. Sie haben 1:8 verloren.

André Trulsen: Das schmerzt sehr. Im letzten Heimspiel steht jeder in der Pflicht noch einmal alles zu geben. Es ging schließlich gegen den Rekordmeister.

Wie kommt ein solches Ergebnis zustande?

André Trulsen: Die ersten beide Tore haben wir den Bayern geschenkt. Wir hätten kurz nach Wiederanpfiff ein Tor erzielen können und haben das nicht gemacht. Ansonsten hatten die Bayern einen Tag an dem Sie alles getroffen haben. So einfach ist das. Diese Dinge waren während der gesamten Saison unser Problem.

Fehlte die Klasse beim FC St. Pauli?

André Trulsen: Sicherlich fehlte uns die Qualität auf dem Platz.

Wie erlebten Sie dieses Spiel von der Bank aus?

André Trulsen: In der Halbzeit versuchten wir das Team zu pushen. Während des Spiels waren wir von draußen aus machtlos. Wir haben gehofft, dass das Spiel bald vorbei geht, weil das Zuschauen einfach weh tat.

Borussia Mönchengladbach hat einen erfolgreichen Endspurt gezeigt und die Klasse gehalten. Warum ist das dem FC St. Pauli nicht gelungen?

André Trulsen: Es klingt einfach, aber uns fehlten schlichtweg entscheidende Spieler durch Verletzungen. Fabio Morena oder Bastian Oczipka konnten wir eben nicht ersetzen. Allen Jungs kann man aber keinen Vorwurf machen. Der Einsatz stimmte. Es fehlte zum Ende einfach die Qualität in der Breite des Kaders.

Lassen die finanziellen Mittel des FC St. Pauli nur ein Dasein als Fahrstuhlmannschaft zu?

André Trulsen: Wir sind einen eigenen Weg gegangen: Mit Spielern, die zum Teil noch in der dritten Liga mitgewirkt haben, spielten wir in der ersten Liga weiter. Dieses System funktionierte bis zu den Verletzungen auch sehr gut. Ohne diese Probleme, hätten wir die Klasse gehalten.

Heribert Bruchhagen sagte über den Abstieg von Eintracht Frankfurt, dass dieser den Klub in seiner Entwicklung um Jahre zurückwirft. Steht beim FC St. Pauli ähnliches zu befürchten?

André Trulsen: Der Verein wird nicht abstürzen. Wir haben zwei neue Tribünen gebaut und unser Trainingsgelände verbessert. Der FC St. Pauli steht auf gesunden Beinen. Wir haben als Zweitligamannschaft den Aufstieg geschafft und hätten liebend gern die Klasse gehalten. Wir müssen uns aber damit abfinden immer zwischen der ersten und zweiten Liga zu pendeln. Das Ziel des Vereins ist es, zu den besten 25 Mannschaften in Deutschland zu zählen. Trotz des Abstiegs ist Pauli weiterhin eine sehr gute Adresse.

Sie verlassen nun zusammen mit Holger Stanislawski den Verein in Richtung Hoffenheim. Haben Sie keine Lust mehr auf die zweite Liga?

André Trulsen: Es hat immer Spaß gemacht, für den FC St. Pauli zu arbeiten. Da ist die Liga egal. Stani konnte keine weitere Kraft mehr aufbringen, um hier eine weitere Saison durchzuziehen. Da stellte sich für mich die Frage, ob ich mitgehe.

Was hat Sie zum Wechsel bewogen?

André Trulsen: Stani und ich passen und gehören zusammen. Außerdem hatte ich auch Lust auf eine neue Herausforderung.

Das klingt als hätten Sie Ihre Entscheidung von Holger Stanislawski abhängig gemacht. Wäre er geblieben, würden Sie nächste Saison in Hamburg auf der Bank sitzen?

André Trulsen: Das ist richtig.