Sind Stürmer sensibel? Einer der es wissen muss ist Toni Polster. Der Stürmer erzielte für den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach in 181 Bundesligaspielen 90 Tore und erklärt, wie man eine Torflaute verhindert, warum das Duo Podolski/Novakovic trifft und seine Zukunft als Trainer in Deutschland.

Toni Polster: „Ich habe mit jedem Körperteil Tore erzielt“

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Toni Polster, sind Sie ein sensibler Mensch?

Toni Polster: Natürlich habe ich Gefühle und bin verletzbar. Ich bin aber nicht sehr sensibel.

Und auf dem Platz?

Toni Polster: Als Fußballer gilt es immer stark zu sein. Wenn auswärts 40.000 Menschen gegen dich sind, musst du alles beiseite schieben können.

Das schafft nicht jeder.

Toni Polster: Sensibilität ist im Fußball fehl am Platz. Ich war bestimmt kein Trainingsweltmeister. Wenn es aber hart auf hart ging, konnte man immer auf mich zählen.

Von der vielzitierten Sensibilität des Stürmers wird immer dann gesprochen, wenn er nicht trifft. Wie gingen Sie damit um?

Toni Polster: Eine Torflaute wollte ich erst gar nicht aufkommen lassen. Ich habe mit jedem Körperteil Tore erzielt und auch die Elfmeter und Freistöße geschossen. Dadurch habe ich häufig getroffen und kam nicht in die Lage in fünf oder sechs Spielen kein Tor zu schießen.

Wie erklären Sie sich die Leistungsexplosion in der Rückrunde der Kölner Lukas Podolski und Milivoje Novakovic?

Toni Polster: Es klingt etwas banal, aber nach meinem Eindruck sind die beiden aufeinander zugegangen und haben erkannt, dass sie zusammen mehr erreichen können. Sie spielen mehr und suchen sich gegenseitig, anstatt über Einzelaktionen das Tor zu erzielen.

Ein großer Anteil an der neuen Treffsicherheit wird dem Kölner Trainer Frank Schaefer zugesprochen. Sind Trainerwechsel ein Allheilmittel?

Toni Polster: In erster Linie ist ein solcher Wechsel kein Ruhmesblatt für den Verein und die Spieler. Trotzdem kann ein Wechsel, wie in Köln, neue Impulse setzen und Hemmungen der Spieler lösen. Man muss sich im Training neu zeigen und aufdrängen. Das kann eine Mannschaft natürlich pushen.

Bei Borussia Mönchengladbach hat der Trainerwechsel noch nicht den erhofften Erfolg gezeigt. Auch wenn der Abstand auf den Relegationsplatz verkürzt wurde, stehen die Fohlen immer noch am Tabellenende.

Toni Polster: Es gibt einen schönen und oft gesagten Spruch: Neue Besen kehren gut. Leider hat er im Fußballgeschäft keine Relevanz.

Sie sind Trainer. Hätten Sie den Posten als Cheftrainer in dieser Situation bei der Borussia angenommen?

Toni Polster: Natürlich. Wenn Gladbach ruft, musst du das machen. Ich werde über kurz oder lang nach Deutschland kommen und zeigen, dass ich als Trainer dieselbe Klasse habe, wie als Spieler.

Würden Sie auch in der Zweiten Liga arbeiten?

Toni Polster: Wenn die Umstände so sind und man nicht mehr gutmachen kann, was vorher verpasst wurde, besteht dort immerhin die Chance, eine Mannschaft neu aufzubauen. Ich war Stürmer und mein Team sollte Tore erzielen und Fußball spielen. Reiner Kampf bringt dich auf Dauer auch nicht weiter.