Stefan Wessels war ein halbes Jahr vereinslos, bevor er zu Odense BK in die erste dänische Liga wechselte. Hier spielt er um die Qualifikation zur Champion League. Ein Gespräch über Gedanken in der Arbeitslosigkeit, das Profileben in Dänemark und das Warten auf den richtigen Moment.

Stefan Wessels

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Stefan Wessels, sind Sie ein Zocker?

Stefan Wessels: Ich bin alles andere als das. Warum?

Sie haben hoch gepokert und beispielsweise Angebote aus Griechenland ausgeschlagen, die andere Kollegen, wie Markus Pröll angenommen haben.

Stefan Wessels: Ich bin kein Zocker. Es gibt aber Vorstellungen, die ich von einem möglichen Verein habe und deshalb nicht jedes Angebot annehme.  Für mich war klar: Ich möchte etwas machen, worauf ich wirklich Lust habe und was sportlich und familiär zu mir passt.

Woher nehmen Sie diese Ruhe?

Stefan Wessels: Fußball ist ein großer Teil meines Lebens. Für mich ist aber klar, dass er nicht alles ist. Ich bin Vater von zwei Kindern. Ich wäre nicht ohne sie ins Ausland gegangen. Die Familie spielt einfach auch eine wichtige Rolle.

Was hätten Sie gemacht, wenn es kein passendes Angebot gegeben hätte?

Stefan Wessels: Ich war mir sicher, dass irgendetwas kommen würde.

Es gab keinen Plan B?

Stefan Wessels: Ich habe kürzlich mit meinem großen Sohn mit dem Balltraining begonnen. Es mag sich komisch anhören, aber ich habe dabei gemerkt, dass ich nach meiner Karriere mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte. Solche Gedanken kristallisieren sich manchmal in solch banalen Situationen heraus. Zudem habe ich bei den Sportfreunden Lotte das Torwartttraining leiten können und gemerkt, dass auch der Job des Torwarttrainers für mich interessant sein könnte.

Ein gute Erkenntnis.

Stefan Wessels: Wenn Sie so wollen. Auf jeden Fall hat mich das letzte halbe Jahr der Vereinslosigkeit weiter gebracht. Es hat sich gezeigt, dass ich auch neben dem Fußball meine Zeit durchaus sinnvoll verbringen kann.

Zum Beispiel?

Stefan Wessels: Ich habe die Entwicklung unserer Kinder viel intensiver erleben dürfen. Auch wenn es für einen Fußballprofi schwer ist keinen Verein zu haben, hat mich diese Zeit auf anderen Ebenen weitergebracht.

In der Bundesliga haben sich mit Ron-Robert Zieler von Hannover 96, Oliver Baumann vom SC Freiburg und Marc-André ter Stegen von Borussia Mönchengladbach neue, junge Torhüter präsentiert. Macht Ihnen das als 32-Jähriger Sorgen?

Stefan Wessels: So ist das Geschäft. Momentan geht der Trend in der Bundesliga zu jungen Spielern. Das Prinzip hat in der letzten Saison oft funktioniert. Viele junge Spieler haben gute Leistungen gebracht. Dennoch ist in jeder Mannschaft natürlich auch Erfahrung wichtig. Es ist nur logisch, dass der Markt durch junge Spieler enger wird. Das hat natürlich Folgen: Im letzten Jahr waren mit Timo Hildebrand, Markus Pröll, Michael Rensing und mir einige gute und erfahrene Torhüter ohne Job. Die Zahl an vereinslosen Profis wird steigen.