Schiedsrichter werden beschimpft, bespuckt und mit Bierbechern beschmissen. Das ist alles nichts Neues erklärt der ehemalige FIFA- und Bundesligaschiedsrichter Bernd Heynemann und berichtet von wüsten Alt-Herren-Spielen, seiner Freude an Bengalischen Feuern und vom Selbsthass, den man haben muss, um die Pfeife in den Mund zu nehmen.

Bernd Heynemann: „Ich bin kein Masochist”

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Bernd Heynemann, sind Schiedsrichter Fußballer, die zu schlecht für eine eigene Karriere waren?

Bernd Heynemann: Auf die Hälfte trifft das vielleicht zu.

Waren Sie Kicker oder Anti-Fußballer?

Bernd Heynemann: Ich habe bis ich 19 Jahre alt war selbst gespielt. Über die dritte Liga kam ich aber nicht hinaus. Parallel pfiff ich auch Partien. Irgendwann musste ich mich dann entscheiden, ob ich Spieler bleibe oder die Schiedsrichterkarriere einschlage.

Warum haben Sie sich entschieden Schiedsrichter zu werden?

Bernd Heynemann: Dieser Job macht mir Spaß. Situationen schnell einschätzen und sofort ein Urteil fällen macht den besonderen Reiz aus. 1971 habe ich meine Abschlussprüfung abgelegt. 1974 wurde ich in der Bezirksliga, der dritthöchsten Klasse der DDR, eingesetzt. Da habe ich erkannt, dass sich für mich als Schiedsrichter eine größere Perspektive ergibt. Außerdem kann man als Schiedsrichter länger aktiv bleiben und muss nicht mit 35 Jahren seine Karriere beenden. Ich war immer Fußballer und das ist mein Vorteil.

Wie das?

Bernd Heynemann: Ich bin ein Typ, der nicht gerne allein durch den Wald rennt. Selbst zu Bundesligazeiten habe ich immer bei einer Mannschaft mittrainiert. Nach jeder Einheit gab es ein Abschlussspiel. Diese Praxisnähe bewahrte mich davor, Distanz zum Spiel aufzubauen. Ich wusste wie sich ein Foul anfühlt.

Mussten Sie anfangs auch in den unteren Klassen pfeifen?

Bernd Heynemann: In der DDR war der Fußball in Kreisklasse, Bezirksklasse, Bezirksliga, DDR-Liga und Oberliga aufgeteilt. Gab es genug Mannschaften konnte es auch noch eine Liga unter der Kreisklasse geben. Zu meiner Anfangszeit habe ich allerdings Betriebsmannschaften gepfiffen.

Stahlarbeiter gegen Bäcker?

Bernd Heynemann: Genau so. Dort spielten gestandene Leute. Und ich bin als 17-Jähriger dazwischen rumgesprungen.

Hatten Sie ein Autoritätsproblem?

Bernd Heynemann: Nein. Es war damals genau wie heute. Spieler gucken nicht aufs Alter, sondern nur auf die Leistung. Wenn ein Schiedsrichter seine Linie durchzieht, wird er akzeptiert. Dann ist es egal, ob man 17 Jahre oder 67 Jahre alt ist.

Gerade in den unteren Ligen klagen Verbände und Unparteiische, dass Schiedsrichter ein großes Autoritätsproblem haben. Erhöhte Aggression und Gewalt werden als Gründe genannt. Wie beurteilen Sie die Lage?

Bernd Heynemann: Seit einem halben Jahr spiele ich selber aktiv wieder im Alt-Herren-Bereich. Was da manchmal auf dem Platz abgeht ist eigentlich unbeschreiblich. Dinge aus dem Kino sind dort live zu sehen.

Auch bei den älteren Herrschaften?

Bernd Heynemann: Das sind manchmal die Lautesten. Dort wird getreten und der Schiedsrichter als Blinder bezeichnet. Aber auch diese Medaille hat zwei Seiten.

Nämlich?

Bernd Heynemann: Bei unserem letzten Spiel gab es wieder viel Zoff, Schreierei und Unfairness. Und der Unparteiische hat sich das aber alles bieten lassen. Logisch, dass sich dann die Grenzen verschieben. Mit ein paar Karten hätte er die Situation beruhigen können. Solche Szenen sind aber nur logisch. Gute Unparteiische steigen irgendwann in höhere Ligen auf und fehlen dann in den unteren Klassen.