Martin Amedick kann zufrieden sein. Sein 1. FC Kaiserslautern hat die Klasse gehalten und er ist Kapitän eines funktionierenden Teams. Doch es gibt einen Makel: Zum Ende der Rückrunde kam Amedick kaum zum Einsatz. Ein Gespräch über softe Kicker, die Anforderungen an einen Verteidiger und den Kaffeeklatsch mit einer besonderen Dame.

Martin Amedick

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Martin Amedick, sind Sie ein Hippie?

Martin Amedick: Wie kommen Sie darauf?

Sie haben in Ihrer gesamten Karriere als Abwehrspieler erst 15 gelbe Karten bekommen. Außerdem tuckern Sie mit einem Käfer zum Training. Das klingt alles sehr peacig.

Martin Amedick: Stimmt, im Sommer fahre ich mit dem Käfer zum Training. Aber trotzdem: Ich bin kein Hippie. Mir ist eine gewisse Bodenständigkeit wichtig, vielleicht passe ich deshalb nicht in die Schublade des normalen Fußballprofis.

Wie würden Sie sich einordnen?

Martin Amedick: Generell lasse ich mich nicht gerne in eine Kategorie pressen. Ich bin einfach Martin Amedick. Und das ist gut so.

Passen Sie mit Ihrer Bodenständigkeit besonders gut zum 1. FC Kaiserslautern?

Martin Amedick: Klar, ich fühle mich hier sehr wohl. Dieser Traditionsverein hat ein sehr familiäres Umfeld. Das pflegen unser Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz und unser Trainer Marco Kurz ganz besonders.

Sie sprechen vom Traditionsverein. Warum ist es etwas besonderes für einen solchen Club zu spielen?

Martin Amedick: Es klingt etwas komisch, aber man spürt hier überall den Fritz-Walter-Mythos. Kaiserslautern ist nicht nur eine Fußballstadt, sondern eine ganze Fußballregion. Den Menschen hier bedeutet der FCK sehr viel, sie leiden und fiebern mit ihrem Verein. Es ist schön, Teil dieses Großen und Ganzen zu sein. Der Verein hat eine Geschichte, die die Menschen geprägt hat.

Sie würde also ein Verein wie die TSG 1899 Hoffenheim nicht reizen?

Martin Amedick: Das ist hypothetisch. Ich habe bisher bei Arminia Bielefeld, Eintracht Braunschweig, Borussia Dortmund und jetzt dem 1. FC Kaiserslautern gespielt. Das sind alles Vereine mit einer großen Tradition. Über andere Modelle muss ich mir aber keine Gedanken machen – sie sind für mich nicht relevant.

Sie sagten, dass sich die Tradition in der Verwurzelung innerhalb der Region widerspiegelt. Wie eng ist Ihr Kontakt zu den Fans? Kennen Sie beispielsweise die Betze-Oma?

Martin Amedick: Natürlich kenne ich sie. Häufig begrüßen wir uns vor dem Training. Ich war sogar schon zusammen mit Tobias Sippel bei der Betze-Oma zu Hause und habe dort eine Tasse Kaffee getrunken. Sie hat uns ihre Wohnung gezeigt. Die Betze-Oma ist Teil dieser Fußballkultur und begleitet den FCK schon viele Jahre. Sie zeigt wirkliches Herzblut und genießt bei den Fans einen Kultstatus.

Es ist ungewöhnlich, dass Fußballprofis ihre Fans zum Kaffeeklatsch besuchen.

Martin Amedick: Ehrlich gesagt war diese Aktion auch vom Verein koordiniert. Wir haben nicht privat gesagt: Komm’ Tobi, da trinken wir jetzt eine Tasse Kaffee. Auch wenn dieses Treffen nicht spontan war, wird man als FCK-Profi immer wieder von den Fans angesprochen. In solchen Momenten wird mir bewusst, welche Verantwortung ich als FCK-Spieler trage.

Werden Sie für solche Momente geschult oder agieren Sie spontan?

Martin Amedick: Der Umgang mit Medienvertretern kann geschult werden. Für den Umgang mit den Menschen im Alltag gibt es aber kein Training. Das klappt auch so. Man muss einfach offen auf die Leute zugehen.

Haben Sie diese Erfahrung auch bei Ihren Idolen gemacht?

Martin Amedick: Was meinen Sie?

Sie sind eigentlich Fan von Borussia Dortmund, oder?

Martin Amedick: Als Kind war es mein Traum, beim BVB zu spielen. Ich habe natürlich auch die Entwicklung in der letzten Saison verfolgt und bin gespannt, ob der Verein dieses Level stabilisieren kann. Es ist aber nicht so, dass ich bei Spielen des BVB mit einen Dortmund Trikot vor dem Fernseher sitze und mitfiebere.

Auf der nächsten Seite spricht Martin Amedick über die Anforderungen an einen Verteidiger und die Zukunft des FCK.