Stéphane Chapuisat wurde 2009 in die Jahrhundert Mannschaft von Borussia Dortmund gewählt. Zwei Meisterschaften und den Gewinn der Champions League konnte der Schweizer mit dem BVB feiern. Heute ist er Chefscout und Stürmertrainer bei Young Boys Bern. „Chappi“ über die Rolle des Vorbilds, das Risiko einer jungen Mannschaft und die Notwendigkeit einer Schwalbe.

Jubelnder Stéphane Chapuisat (l.)

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Stéphane Chapuisat, sind Sie ein Vorbild?

Stéphane Chapuisat: Das weiß ich nicht.

Nicht so bescheiden. Sie haben immerhin zwei deutsche Meisterschaften und die Champions League gewonnen, waren 103-facher Nationalspieler der Schweiz und haben in 228 Bundesligaspielen 106 Tore geschossen. Glauben Sie nicht, dass manche Menschen dem nacheifern wollen?

Stéphane Chapuisat: Das ist für mich aber nicht entscheidend. Für mich war das Schönste, dass ich überhaupt spielen durfte. Über die Rolle als Idol habe ich mir keine Gedanken gemacht. Natürlich habe ich gemerkt, wenn die Fans einem zugejubelt haben. Das hat mich natürlich nicht kalt gelassen.

Ein Vorbild zu sein bedeutet Projektionsfläche zu sein, als Idealbild zu gelten. Wie wurden Sie dem gerecht?

Stéphane Chapuisat: Ich hoffe. Man sollte sich bewusst sein, dass viele Jugendliche auf das eigene Verhalten achten. Allerdings war es mir immer wichtig nicht nur Fußballer zu sein, sondern auch Privatmensch, der sich nicht um die Öffentlichkeit Gedanken machen musste.

Gehen die Menschen heute noch so enthusiastisch auf Sie zu, wie zu Ihrer Zeit als Profi?

Stéphane Chapuisat: Zum Glück nicht mehr so. Ich lebe heute wesentlich ruhiger als damals.

Wussten Sie, dass Sie das Vorbild von einem aktuellen BVB Akteur sind?.

Stéphane Chapuisat: Nein, wer kennt von den jungen Spielern noch meinen Namen?

Ivan Perisic.

Stéphane Chapuisat: Ich weiß eigentlich nur über ihn, dass er sehr torgefährlich ist und eine gute Technik hat. Dieser Einkauf passt in die neue Transferphilosophie des BVB.

Der aktuelle BVB hat wenig mit der Mannschaft aus Ihrer Zeit gemeinsam, wo Stars wie Matthias Sammer, Andreas Möller oder eben Sie spielten. Steht das Kollektiv heute über der Leistung des Einzelnen?

Stéphane Chapuisat: Natürlich hat der aktuelle BVB mit diesem jungen Team Erfolg gehabt. Für Neueinkäufe wird der Verein zukünftig mehr bezahlen müssen. Für den langfristigen Erfolg muss der BVB auch mehr investieren und erfahrene Spieler verpflichten. Auf Dauer besteht bei den Jugendkonzepten die Gefahr, dass diese Teams auch einmal einbrechen. Mit erfahreneren Spielern ist das Risiko nicht so hoch.

Ohne teure Transfers geht es also nicht?

Stéphane Chapuisat: Verstehen Sie mich nicht falsch, ich glaube, dass der BVB erfolgreich sein wird, auch international. Es ist für mich aber nicht eindeutig, dass man langfristig Erfolg mit einem jungen Team haben kann.

In Deutschland treten immer mehr junge Spieler in den Vordergrund. Wie erklären Sie sich das?

Stéphane Chapuisat: Mannschaften wie Mainz 05 oder eben der BVB haben mit diesem Konzept Erfolg. Das erkennen auch andere Vereine und versuchen, auch aus finanziellen Gründen, dieses Konzept auch bei sich anzuwenden.

Im zweiten Teil spricht Stéphane Chapuisat über die Notwendigkeit einer Schwalbe, den aktuellen BVB und seine Arbeit bei Young Boys Bern.