Hannover 96 gehört zu den größten Überraschungen der vergangenen Saison. Nach dem Auftaktsieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim sind die Träume groß. Christian Schulz will davon nichts wissen und weiß doch um die Stärken seiner Mannschaft. Ein Gespräch über hohe Erwartungen, das Erfolgsgeheimnis der Roten und einen unbekannten Musiker.

Christian Schulz im Interview

Foto: jan deckner

Christian Schulz, kennen Sie die Musik von Funky Pee?

Christian Schulz: Da muss ich passen. Ich höre gerne Musik, beschäftige mich aber nicht intensiv damit. Die Großen der Branche kenne ich natürlich. Vielleicht ist Funky Pee zu speziell. Klären Sie mich auf.

Funky Pee ist Ihr neuer Mannschaftskollege Christian Pander.

Christian Schulz: Seinen Künstlernamen kannte ich nicht. Normalerweise beschäftige ich mich nur mit den Topacts und Christan Pander habe ich nie unter den Top Ten gesehen. Ich wusste aber, dass er Musik macht.

In wie weit informieren Sie sich über neue Spieler? Immerhin ist er ein Konkurrent für Ihre Position.

Christian Schulz: Mitspieler sehe ich generell nicht als Konkurrenten an. Jede Position muss doppelt besetzt sein, gerade wenn man wie wir international spielt. Da ist Hannover 96 nicht der erste Verein, der das so regelt. Christian kenne ich schon aus Zeiten bei der U21-Nationalmannschaft. Er ist ein feiner Kerl und hat einen guten Charakter.

Fragen Sie sich bei neuen Transfers, ob die Spieler auch in die Mannschaft passen?

Christian Schulz: Das steht nicht in meinem Fokus, sondern ist die Aufgabe des Managements und des Trainers. Für Christian ist es nach seiner langen Verletzungszeit ein guter Schritt zu einem Bundesligisten zu wechseln, der auf ihn baut. Mirko Slomka kennt ihn ja noch aus seiner Schalker Zeit. Christian ist bekannt und berüchtigt für seinen linken Fuß. Er wird uns helfen und passt mit seinem ruhigen Charakter gut in die Mannschaft.

Sie sagten in einem Interview im Januar 2011, dass das Erfolgsgeheimnis der Roten der besondere Teamgeist ist. Was hat es damit auf sich?

Christian Schulz: Grundsätzlich muss man sagen, dass gute Stimmung auch immer etwas mit Erfolg zu tun hat. Wenn man permanent einen auf den Deckel kriegt, leidet die Stimmung natürlich darunter. Seit der vergangenen Saison ist bei uns eine super Atmosphäre. Wenn man in die Kabine kommt fällt es sofort auf.

Klären Sie uns auf.

Christian Schulz: Jeder lacht mit jedem. Es unterhalten sich die Spieler untereinander. Das klingt etwas platt, aber ich komme in die Kabine und fühle mich einfach wohl. Es gibt Mannschaften, in denen die Sprachprobleme so groß sind, dass die Spieler untereinander wenig miteinander anfangen können. Das ist bei uns anders. Einfach gesagt: Es passt bei uns. Ich glaube, das ist sehr selten in der Bundesliga.

Ist das die Stärke von Hannover 96?

Christian Schulz: Absolut. Natürlich hat jeder Einzelne seine Qualität und spielt deshalb zurecht in der Bundesliga. Der Teamgeist und die Stimmung sind aber das größte Plus, dass wir hier in Hannover haben.

Kann solch eine Stimmung individuelle fußballerische Defizite einer Mannschaft ausgleichen?

Christian Schulz: Auch, aber nicht nur. Wir sind außerdem topfit.

Die gute Stimmung klappt augenscheinlich nicht bei allen Vereinen.

Christian Schulz: Das erlebt man aber nicht nur in der Fußballwelt. Jeder Arbeitgeber weiß, dass die Menschen leistungsfähiger sind, wenn sie ein stimmiges Umfeld haben. Es stärkt dich natürlich, wenn du weißt, dass trotz einer schlechten Phase alle zu dir halten und dich nicht fallen lassen. Es gibt Trainer und Mitspieler, die dich auf Grund einer schlechten Woche degradieren. Das gibt es in der normalen Arbeitswelt auch. Hier in Hannover ist das aber anders. Das ist das Schöne an dem Verein.

Auf der nächsten Seite spricht Christian Schulz über die Arbeit mit Mirko Slomka und die Talfahrt seines ehemaligen Vereins Werder Bremen.