In Frankfurt gab es am letzten Wochenende unschöne Bilder. Fans stürmten den Platz und mussten von der Polizei zurückgedrängt werden. Ansgar Brinkmann versteht ihren Ärger, auch wenn er die Gewalt ablehnt.

Ansgar Brinkmann: „Die Fans sind das Salz in der Suppe“

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Ansgar Brinkmann, am letzten Wochenende stürmten Anhänger von Eintracht Frankfurt das Spielfeld und randalierten. Dürfen Fans ihrem Unmut Luft verschaffen?

Ansgar Brinkmann: Klar. Es darf aber nicht eskalieren. Sie haben das Recht ihrem Ärger Luft zu machen. Gewalttätig geht das aber nicht. Es ist aber wichtig, dass differenziert wird.

Was meinen Sie?

Ansgar Brinkmann: Ich mag es nicht, wenn von den Fans als eine Gruppe gesprochen wird. Den gewaltbereiten Leuten ist das Spiel nicht wichtig. Man tut aber den fußballinteressierten Fans unrecht, die sich für das Spiel und in diesem Fall Eintracht Frankfurt interessieren unrecht, wenn man sie mit den Schwachköpfen in einen Topf wirft.

Warum gibt es diese Wut auf den Tribünen?

Ansgar Brinkmann: Die Fans sind das große Potential eines Vereins. Das wird von offizieller Seite leider manchmal vergessen und das Augenmerk auf die Sponsoren und Fernsehgelder gelegt. Ohne die Menschen auf den Tribünen ist der Fußball aber nichts. Die Fans sind das Salz in der Suppe.

Warum beschweren sich die Anhänger?

Ansgar Brinkmann: Sie fühlen sich nicht mehr ernst genommen. In die Vereinspolitik werden die Fans nicht mehr mit einbezogen. Ich habe das Gefühl, dass bei einigen Bundesligisten der Respekt vor den eigenen Anhängern fehlt. Deshalb wundert mich nicht, dass einige Zuschauer auf die Barrikaden gehen.

Haben Sie Ähnliches, wie am Wochenende in Ihrer Zeit in Frankfurt erlebt?

Ansgar Brinkmann: Ich kenne die Jungs aus Frankfurt ganz gut und habe heute noch einen Fokus auf die Fanszene der Eintracht. Zu meiner Zeit sind wir aufgestiegen und haben ein Jahr später die Klasse gehalten. Da gab es keinen Grund zum Unmut. Ich glaube auch nicht, dass diese Unzufriedenheit ein Frankfurter Problem ist. Die Gründe liegen woanders.

Nämlich?

Ansgar Brinkmann: Viele Vereine distanzieren sich zu weit von ihren Fans. Wenn die Entwicklung in der Bundesliga so weiter geht, haben wir Verhältnisse wie an der Abendkasse des Kinos. Wenn man Lust auf einen Film hat, geht man hin. Fans sind aber anders. Die wollen immer ihren Verein sehen und identifizieren sich mit ihm. Diesen Fan muss ich als Verein ernst nehmen und ihn nicht wie einen gewöhnlichen Konsumenten behandeln.

Ein Fan ist mehr als ein bloßer Ticketzahler.

Ansgar Brinkmann: Absolut. Der Fußball ist durch die Fankultur groß geworden. Es geht um mehr, als bloße Unterhaltung.

Wie soll man mit den Fans umgehen?

Ansgar Brinkmann: Man muss ehrlich sein. Man kann in Fanclubs mit den Anhängern reden.Transparenz ist entscheidend. Die Leute möchten wissen, was wirklich im Verein abgeht und sich nicht mit Luftschlössern abspeisen lassen. Kein Fan möchte hören, dass der Verein in den nächsten drei Jahren in der Champions League spielt, um dann zu merken, dass es eigentlich nur um den Abstieg geht. Große Reden werden nicht verlangt. Dann darf man sich nicht wundern, wenn sich die eigenen Anhänger fragen, wofür sie eigentlich die Fahnen schwenken.

Glauben Sie, dass sich Zuschauer von ihren Vereinen abwenden?

Ansgar Brinkmann: Nein. Wir sind aber an einem Punkt zwischen Vereinen und ihren Anhängern angelangt, der sehr bedenklich ist.

Sehen Sie ein Problem durch gewaltbereite Fans im deutschen Fußball?

Ansgar Brinkmann: Den gewaltbereiten Anhängern wird das Leben schwer gemacht und das ist auch richtig so. Leider wird es die Unbelehrbaren aber immer wieder geben – sie sterben nicht aus. Jede Generation hat ihre Chaoten.

Einen generelles Problem sehen Sie nicht?

Ansgar Brinkmann: Ich habe kürzlich das Aufstiegsspiel von Preußen Münster erleben dürfen. Nach dem Abpfiff stürmten 18.000 Fans den Platz und feierten. Nichts wurde zerstört, selbst der Rasen und die Tore blieben heile. Und das will bei einer Aufstiegsfeier was heißen.