Nach der Karriere als Profifußballer kommt der Trainerjob, die Tankstelle oder das Nichts. Dieter Frey ist einen anderen Weg gegangen. Der ehemalige Spieler des FC Bayern München, des SC Freiburg, von Werder Bremen und des 1. FC Nürnberg ist heute Referendar für Mathematik und Wirtschaft und Recht. Ein Gespräch über den schwierigen Weg vom Fußballplatz ins Klassenzimmer, den Meister aus München und die Kommerzialisierung des Fußballs.

Dieter Frey bei den Fans

Foto: imago

Dieter Frey, Sie scheinen ein Mann mit ausgeprägtem Hang zur Selbstzerstörung zu sein.

Dieter Frey: Warum?

Sie hatten in Ihrer Karriere Umgang mit Spielern wie Lothar Matthäus, Stefan Effenberg oder Torsten Frings. Warum setzten Sie sich jetzt auch noch schwer pubertierenden Jugendlichen aus?

Dieter Frey: Es macht Spaß! Das merkte ich bei Fußball-Trainingscamps für Kinder und nicht zuletzt bei meinem eigenen Nachwuchs. Da dachte ich mir, dass die Schule etwas für mich sein könnte und habe mein Lehramtsstudium aufgenommen.

Gibt es Parallelen zwischen Pubertierenden und Fußballern?

Dieter Frey: Teilweise kann man trotz des Altersunterschieds ähnliche Verhaltensweisen erkennen.

Haben Sie während Ihrer Karriere schon gewusst, dass Sie Lehrer werden möchten?

Dieter Frey: Nein, ich konnte mir aber immer vorstellen zu studieren. Als für mich im Sommer 2004 klar war, dass ich meine Karriere verletzungsbedingt beenden muss, habe ich mir konkrete Gedanken gemacht. Und jetzt bin ich Referendar.

Wie viel Lehrer steckte in dem Fußballer Dieter Frey?

Dieter Frey: Eigentlich gar keiner. Beim Fußball musste ich mich in erster Linie auf mich selber fokussieren. Es war immer ein Versuch im Spiel oder im Training die beste eigene Leistung abzurufen. Als Lehrer muss ich mich auf die 30 Gesichter vor mir konzentrieren, Verhaltensweisen berücksichtigen und dort flexibel reagieren.

Das ist im Fußball anders?

Dieter Frey: Natürlich arbeitet man im Sport mit Menschen und versucht als Mannschaft Erfolg zu haben. Allerdings stand für mich als Profifußballer völlig außer Frage, dass ich zu erst meine eigene Leistung abrufen muss und nicht für das Verhalten meines Mitspielers verantwortlich bin.

Im Gegensatz zu Ihren jetzigen Kollegen hatten Sie vor Ihrem Studium schon ein anderes Leben. Ein Vorteil gegenüber den anderen Lehrern?

Dieter Frey: Ich glaube der erste Vorteil ist mein Alter. Wenn die Schläfen beim Lehrer grau werden, wird das Arbeiten mit den Kindern leichter. Die Schüler reagieren anders auf ältere als auf jüngere Kollegen. Mit dem Alter ist auch eine gewisse Lebenserfahrung verbunden. Ich kann es nicht genau sagen, aber ich glaube das auch darin ein Vorteil liegt.

Sie sprechen von den Reaktionen der Schüler. Wissen die Jugendlichen, dass dort ein Ex-Fußballer an der Tafel steht?

Dieter Frey: Die meisten sind noch zu jung. Ich unterrichtete unter anderem ein sechste Klasse. Von denen waren zu meiner aktiven Zeit einige noch nicht einmal geboren. Ich weiß nicht wie, aber manche wissen es dann doch. Und dann dauert es nicht lange und die ganze Schule weiß Bescheid.

Gibt es noch Autogrammwünsche?

Dieter Frey: Gerade die jüngeren Schüler fragen schon mal nach alten Autogrammkarten. Vielleicht ist das ein Vorteil. Die Kinder merken, dass ich nicht nur 24 Stunden an der Tafel stehe und mit Kreide und Arbeitsblättern hantiere, sondern es gibt und gab auch ein anderes Leben. Je schneller die Schüler das wahrnehmen, umso besser kann man eine Beziehung aufbauen.

Sie Leben im Nürnberger Umland. Ist es ein Vorteil, dass Sie beim Club gespielt haben?

Dieter Frey: Die erste Schule an der ich arbeitete liegt in Fürth.

Sie haben im Ort des Erzrivalen gearbeitet?

Dieter Frey: Es gab dort aber auch ein paar Club-Fans. Die Schüler und ich waren aber tolerant und akzeptierten uns trotzdem.

Wie schafften Sie den Schritt vom Fußballer zum Lehrer?

Dieter Frey: Es war eine große Umstellung. Nach 13 Jahren Fußball, in denen ich nicht viel Zeit am Schreibtisch verbracht habe und lernte, war es nicht einfach. Der Hirnmuskel muss auch erst wieder trainiert werden. Ich habe viel in der Nacht gelernt als die Kinder schliefen. In den ersten Wochen war nach zwei Stunden die Kondition aufgebraucht. Nach dem ersten Semester wurde es dann besser. Vier oder fünf Stunden Lernen waren dann kein Problem mehr. Alles eine Sache des Trainings – ganz wie im Fußball.

Im zweiten Teil spricht Dieter Frey über die Kommerzialisierung des Fußballs und die Zukunft seiner Ex-Clubs.