Stefan Kießling hat viel vor. Der Vizemeister der vergangenen Saison möchte mit Bayer Leverkusen endlich die Schale. Dabei stört eigentlich nur ein Thema. Ein Gespräch über die Wertschätzung beim DFB, die Arbeit mit Robin Dutt und Urlaubsfotos in der Klatschpresse.

Stefan Kießling

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Stefan Kießling, haben Sie schon Pläne für den Sommer 2012?

Stefan Kießling: Ich gehe mal davon aus, dass ich dann im Urlaub bin. Genaue Ziele gibt es aber noch nicht.

Zugegeben, ein plumper Versuch. Konkreter gefragt: Rechnen Sie sich Chancen für die EM 2012 aus?

Stefan Kießling: Chancen gibt es immer. Die Nationalmannschaft ist für mich aber ein schwieriges Thema. Nach der WM 2010 war ich nicht mehr dabei. Nach meiner Verletzung muss ich mich jetzt wieder konstant im Verein zeigen. Darauf liegt mein Fokus. Ich gehe aber davon aus, dass ich im Sommer Urlaub haben werde.

Das klingt nach Resignation.

Stefan Kießling: Warum? Ich akzeptiere diese Situation und kann damit auch gut umgehen. Außerdem ist ein Sommerurlaub auch gar nicht so schlecht. Dann kann ich Zeit mit meiner Familie verbringen.

Sie sagten in einem Interview 2009, dass Sie sich gerne im Hintergrund halten. Gemeint war die öffentliche Präsenz. Müssen Sie nicht weiter nach vorne preschen, um mehr Beachtung zu finden?

Stefan Kießling: Man muss nicht in der Zeitung auffallen. Auf dieser Schiene bin ich bisher ganz gut gefahren. Grundsätzlich gilt: Die Leistung muss stimmen. Das ist das Entscheidende. Wenn ich große Töne spucken würde und meine Leistung nicht stimmt, wäre das ein ziemlich dummes Eigentor.

Durch Ihre sehr laufintensive und mannschaftsdienliche Spielweise und Ihre Treffsicherheit müssten Sie eigentlich bei jedem Trainer auf dem Wunschzettel stehen. Wie sehr ärgert Sie dann die fehlende Anerkennung seitens des DFB?

Stefan Kießling: Ich spiele schon lange in der Bundesliga und habe mich immer weiterentwickelt. Alles andere liegt nicht in meiner Hand. Jeder Trainer hat eigene Vorstellungen. Wenn der Bundestrainer andere Stürmer bevorzugt, akzeptiere ich das.

Sie legen nicht Wert auf viel Presse und möchten die Öffentlichkeit nicht zu stark an Ihrem Leben teilhaben lassen. Selbst auf Ihrer Internetseite verraten Sie nicht viel über sich. Dort gibt es noch nicht einmal einen Steckbrief mit wichtigen Informationen wie der Lieblingsfarbe oder der Schuhgröße. Warum geben Sie nicht mehr preis?

Stefan Kießling: Privates thematisiere ich generell nicht in den Medien. Ich habe gelernt, wie man Dinge sagt und was man bewusst verschweigt. Ich versuche darauf zu achten, dass keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, die mir zum Problem werden könnten. Auf meiner Facebook-Seite findet man aber auch mal ein Foto aus dem Urlaub. Ich achte aber natürlich immer darauf, dass es ein gutes Foto ist.

Und nichts für die Klatschpresse…

Stefan Kießling: Genau, über jeden Interneteintrag mache ich mir Gedanken. Ich achte beispielsweise penibel darauf, dass Bilder meines Sohnes nicht in die Öffentlichkeit gelangen, da diese dort nichts zu suchen haben. Ich bin der Fußballer. Alles andere ist Privatsache und ich versuche meine Familie zu schützen.

Gehört dieser Selbstschutz zum Beruf des Fußballprofis?

Stefan Kießling: Ja, das ist die Schattenseite des Geschäfts. Es gehört dazu, dass man als Fußballer in der Öffentlichkeit steht. So etwas kann einen Menschen aber auch fertig machen und man muss lernen damit umzugehen. Das ist das Problem des breiten öffentlichen Interesses. Jede Kleinigkeit, die man sagt, muss man sich immer wieder anhören. Es gibt so viele Themen, bei denen ich mich frage, ob diese wirklich immer wieder angeschnitten werden müssen.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Stefan Kießling über einen möglichen Wechsel und die Anweisungen von Robin Dutt.