Hanno Balitsch rückte im  Sommer 2010 vom Führungsspieler bei Hannover 96 in die zweite Reihe bei Bayer Leverkusen. Ging die Rechnung auf?  Ein Gespräch über die Besonderheiten von Jupp Heynckes, die zukünftigen Erfolgschancen von Hannover 96 und das Dasein als Kaderspieler.

Hanno Balitsch: „Das Geld ist entscheidend“

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Hanno Balitsch, die Meisterschaft wurde am letzten Wochenende entschieden. Wie sehr nervt es die entscheidende Niederlage gegen Köln von der Bank aus zu beobachten?

Hanno Balitsch: In erster Lage nervt die Niederlage und nicht der Zustand auf der Bank zu sitzen.

Diese Niederlage mussten Sie von außen miterleben. Vor der Saison hätten Ihnen viele diese Rolle als Zuschauer auch zugeschrieben. Sie kamen aber auf 23 Einsätze in der Liga. Hinzu kamen Spiele in der Europa League und dem DFB- Pokal. Sind Sie mit der Saison zufrieden?

Hanno Balitsch: Ja, ich bin sehr zufrieden. Man muss aber festhalten, dass ich von diesen Liga-Einsätzen nur sieben oder acht Partien von Beginn an bestreiten durfte. Der Rest waren Kurzeinsätze, manchmal nur für ein paar Minuten. Das relativiert diese Zahl.

Werden Sie mit dieser Einsatzzeit Ihrem eigenen Anspruch gerecht?

Hanno Balitsch: Ich bin ganz entspannt. Der Wechsel nach Leverkusen war eine sportliche Herausforderung. Es hätten mir wahrscheinlich nicht viele Leute die 23 Einsätze in der Liga und die Spiele in der Europa League und im Pokal zugetraut. Wenn alles gut läuft werden wir Vizemeister. Das ist doch alles sehr positiv.

Ist die zweite Reihe auch Ihre Rolle in Zukunft?

Hanno Balitsch: In diesem oder spätestens nächstem Sommer werde ich eine Grundsatzentscheidung treffen. Die Fragen lauten: Bin ich bereit ein wichtiger Bestandteil einer Mannschaft zu sein, die hohe Ansprüche in der Bundesliga und im internationalen Geschäft hat? Oder möchte ich Stammspieler bei einer Mannschaft sein, die sich im Liga-Mittelfeld wiederfindet.

Und?

Hanno Balitsch: Diese Entscheidung lasse ich entspannt auf mich zukommen. Ich habe aber noch einen Vertrag bis zum Sommer 2012. Die Frage nach einem Wechsel stellt sich wahrscheinlich erst dann.

Gegen Bayern München durften Sie über 90 Minuten spielen. Gerade in dieser Partie ging Bayer Leverkusen mit 5:1 unter. Was war da los?

Hanno Balitsch: Es war ein rabenschwarzer Tag. Wir haben mit unseren Fehlern die Bayern eingeladen. Zur Halbzeit stand es dann 4:0. In der zweiten Hälfte war nur Schadensbegrenzung angesagt.

Wie kamen Sie aus der Halbzeitpause mit dem Wissen, dass eigentlich nichts mehr geht?

Hanno Balitsch: Wir wollten es besser machen. Es gibt doch so etwas wie Ehrgefühl. Im Jahr zuvor habe ich mit Hannover 96 in München 0:7 verloren. Das wollte ich nicht noch einmal erleben.

Leverkusen hat aber nicht verloren, um Jupp Heynckes für die nächste Saison die Champions League zu ermöglichen, oder?

Hanno Balitsch: Der Trainer hat am meisten unter dieser Niederlage gelitten. Jupp Heynckes wollte zeigen, dass mit Leverkusen in München etwas möglich ist. Dieses Ergebnis war bitter für ihn.

Sie sagten in einem Interview, dass Sie unbedingt international spielen wollen. Das könnten Sie nächstes Jahr auch bei Hannover 96 haben. Hätten Sie mit dieser Entwicklung Ihres Ex-Vereins gerechnet?

Hanno Balitsch: Nein. Jeder der das behauptet lügt.

Wie erklären Sie sich den Erfolg von 96?

Hanno Balitsch: Mirko Slomka ist ein Trainer, der sehr auf körperliche Fitness wert legt. Dadurch kann Hannover einen hohen läuferischen Aufwand betreiben und es gelingt sehr kompakt zu stehen. Zudem haben sie mit Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue zwei Stürmer, die aus zwei Chancen drei Tore machen. Das alles bringt den Erfolg, schafft Selbstvertrauen und führt zu einer positiven Saison.