Völlig verschwitzt, müde, mal traurig, mal freudig, häufig aber gelangweilt, müssen sie Rede und Antwort stehen. Gleiche Fragen, gleiche Antworten. Und das Woche für Woche. Geschult um nichts Wirkliches zu sagen, sollen sie doch erklären und beurteilen, was sie zum Teil selber nicht verstehen. Fußballer in der Mixed Zone.

Jürgen Klinsmann steht Rede und Antwort

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Was fehlte heute zum Sieg? Wie beurteilen Sie ihre Leistung? War der Fehlpass heute die entscheidende Situation im Spiel? Ja. Nein. Vielleicht. Wer schon in der Schule auf die einfachsten Fragen keine Antwort wusste, stolpert entsprechend hölzern durch den Fragenparcours in der Mixed Zone. Man hilft sich mit den Standards: Wir agierten als Mannschaft nicht geschlossen genug. Auch wenn ich heute drei Tore geschossen habe, steht der Erfolg der Mannschaft an erster Stelle. Und der Fehlpass? Nun ja, das passiert im Fußball.

 

Bei einigen Spielern sieht man schon an der Frisur, dass sie diese Sätze nur auswendig gelernt haben und sie jetzt genau so herunter spulen, wie damals in der Grundschule das Gedicht vom Herrn Ribbeck und seinen Birnen. Verstanden haben sie beides nicht. Das merkte man damals und heute an der Betonung und am Gesichtsausdruck. Nichtssagend, wie die Worthülsen, die aus ihnen heraussprudeln. Gelangweiltes und sinnloses Gelaber.

 

Was sollen die kickenden Heroen auch immer alles sagen? Fußballer können gut gegen den Ball treten – sie sind nicht zwangsläufig gute Rhetoriker. Und das müssen sie auch nicht! Zu einfach wäre es, den Kickern einen Vorwurf zu machen. Noch einfacher sie dumm zu nennen.Viele Spieler könnten vielleicht mehr sagen und geistreicher kontern. Was soll man aber direkt nach dem Spiel erwarten, außer Nichtssagendes?

 

„Es ist immer der gleiche Spielverlauf, dass du hier nach dem Spiel stehst und selten doofe Interviews gibst und gezwungen bist, irgendetwas in die Kamera zu sagen“, erwiderte einst Dirk Lottner auf die Frage eines Reporters und verließ kopfschüttelnd die Szenerie. Vielleicht ist es diese Emotionalität, die die Heerscharen der Männer und Frauen mit den Mikros am Spielfeldrand erwarten. All die Rolf Töpperwiens gieren auf eine Aussage, den Ausraster, die verbale Entgleisung. Sie hoffen auf die Forderung nach Eiern, die Oliver Kahn einen Ausschnitt im Jahresrückblick garantierten.

 

Junge Profis ticken heute aber anders. Mats Hummels sagte der FAZ, dass Alphatiere nicht mehr gebraucht werden. Auch verbal nimmt man sich heute zurück. Was soll also das nervige Frage-Antwort-Spiel am Ende einer jeden Begegnung? Dieses sinnlose Unterfangen kann man sich doch eigentlich sparen. Zu den wirklichen Knallerthemen, wenn beispielsweise ein Lukas Podolski einem Michael Ballack eine verpasst, gibt es von beiden nach dem Spiel nur die Aussage: „Das klären wir intern“. Danke für nichts!