Lars Stindl darf sich freuen. Sein Verein, Hannover 96, kann die guten Leistungen der vergangenen Saison bestätigen und er selbst hat sich mit einem unglaublichen Tor gegen den FC Kopenhagen in die breite Fußballöffentlichkeit geschossen. Ein Gespräch über gute Taktiken, gestiegenes Selbstvertrauen und Soaps mit der Freundin.

Lars Stindl

Foto: jan deckner

Lars Stindl, Sie wurden in Speyer geboren. Die Stadt bietet viel Kultur und Historie. Wird man dort automatisch zum Museumsliebhaber?

Lars Stindl: Ich wurde dort ja nur geboren. Im vergangenen Jahr war ich mit meiner Freundin in Paris. Da gehört ein bisschen Kultur für mich dazu. Wir waren im Louvre und haben uns natürlich auch die Mona Lisa angeschaut. Ich halte das aber in Grenzen. In meiner Freizeit möchte ich schließlich auch relaxen.

Freunde der Filmkultur durften im Internet Ihr Traumtor von Kopenhagen bewundern. Haben Sie sich das Tor schon selber angeschaut?

Lars Stindl: Insgesamt habe ich das Tor erst zweimal gesehen. Meine Kumpels sprechen mich noch häufiger darauf an. Ich sitze aber nicht zu Hause vor dem Rechner und gucke mir dieses Tor unzählige Male an.

Sind Sie eitel?

Lars Stindl: Klar, das war ein Riesen-Tor und an meinem Jubel hat man bestimmt auch gesehen, dass ich mich sehr gefreut habe. Wer weiß, wann mir so etwas wieder passieren wird. Solche Tore sind wohl eher die Ausnahme.

Werden Sie in der Stadt darauf angesprochen?

Lars Stindl: Ich hatte das Gefühl, dass ich nur noch auf dieses Tor reduziert werde. Mittlerweile werde ich aber nicht mehr so häufig darauf angesprochen und beglückwunscht.

Stört Sie diese Reduzierung?

Lars Stindl: Nein, gar nicht. Es ist doch ein tolles Gefühl, wenn sich die Leute mit dir freuen. Ich lege allerdings großen Wert auf mein Privatleben und freue mich, wenn ich in Ruhe durch die Stadt laufen und einfach für mich sein kann.

Sie bezeichneten Ihren Wechsel zu Hannover 96 als „logischen Schritt“. Welcher ist der nächste?

Lars Stindl: Hannover 96 kann mittlerweile die Spitzenmannschaften in Deutschland schlagen. Das Potential für mehr ist in dieser Region und diesem Verein auf jeden Fall vorhanden. Für mich persönlich ist also der nächste logische Schritt mich in diesem Team zu etablieren.

Das ist Ihnen doch schon gelungen. Sie sind Stammspieler.

Lars Stindl: Ich habe hier noch einen Vertrag bis zum Sommer 2013. Ich fühle mich hier sehr wohl und alles läuft gut. Ich habe aber keine Garantie, dass es so weiter geht.

Ihr ehemaliger Jugendtrainer beim Karlsruher SC, Rüdiger Böhm, sagte, dass entscheidend für den Weg zum Profi neben dem sportlichen Talent vor allem folgende Eigenschaften sind: Wille, Intelligenz, eine sportgerechte Lebensführung und Vertrauen zum Trainer. Hatten Sie immer den unbedingten Willen?

Lars Stindl: Ich war in den Jugendmannschaften nie das überragende Talent. Andere standen immer mehr im Vordergrund. Ich musste also über den Willen und die Einsatzbereitschaft kommen, um irgendwie aufzufallen. Dieser Bereich war für meine Entwicklung ausschlaggebend und der Grund, weshalb ich heute Profi bin.

Wie intelligent muss ein Fußballer sein?

Lars Stindl: Ach, wissen Sie: Wie in jedem Beruf ist auch bei Fußballern die Intelligenz unterschiedlich ausgeprägt. Ich persönlich habe eine gute Schulbildung genossen und mein Abitur gemacht. Das Fußballgeschäft ist nicht immer ganz einfach und fair. Deshalb wollte ich durch meinen Abschluss mir auch andere Türen offen halten und mich nicht nur auf das eine Standbein Fußball verlassen. Auch wenn ich mir diesen Beruf immer gewünscht habe, stand dieser Weg des öfteren auf der Kippe. Und offen gesagt freuten sich auch meine Eltern über ein gutes Zeugnis.

Das besitzen nicht alle Fußballer.

Lars Stindl: Im Fußball ist es auch nicht immer schlecht, wenn man manchmal ein bisschen weniger nachdenkt.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Lars Stindl über das Vertrauen in Mirko Slomka und die eigene Stärke.